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Die Ruinen von Palenque sind so besonders toll von der Atmosphäre, da sie zum einen etwas erhöht liegen und wir das flachere Land in der Umgebung überblicken können. Zum anderen geht gleich hinter den Tempeln der Regenwald los. In der Nacht tanzen hier bestimmt die Affen wie in Dschungelbuch.

Auf dem Rückweg zur Küste legen wir noch eine Pause bei Agua Azul ein. Wasserfälle und Kaskaden in einer engen Schlucht gehören auch zum Touri-pflichtprogramm und wir sehen alle Reisebusse aus Palenque wieder. Oskar ist an den durchaus imposanten Wasserfällen kein bisschen interessiert und spielt nur mit irgendwelchen Pflanzen. Am nächsten Tag sind wir wieder zurück in Tuxtla und verbringen  dort noch gemütliche Stunden im Zoo bevor es mit dem Bus zurück zur Panamericana geht. Oskar entdeckt irgendwo einen Wasserkanal mit einer winzigen Stufe und ist nicht mehr wegzubringen von seinem "Wasserfall".

Auf der Panamericana sind es jetzt noch 300 km immer geradeaus bis Guatemala, die Strasse ist in jede Richtung 2 spurig und eben. Der wenige Verkehr der kommt, überlässt uns die eine Spur, so dass wir ganz entspannt radeln können. Wir haben jetzt auch die ersten Regenfälle, es ist nicht mehr so heiss, aber dafür deutlich schwüler. Da jetzt mehr Staunsen am abend unterwegs sind, versuchen wir immer in Herbergen zu schlafen und ihnen mit Ventilator oder Klimaanlage Herr zu werden. Einmal geht es sich von der Strecke her nicht aus, dass wir noch eine Stadt erreichen könnten.

Wir fragen am Strassenrand einen jungen Mann (Ronaldo) nach einem Hotel in der Nähe und sind auch schon eingeladen bei ihm bzw. seiner Verwandtschaft zu übernachten. Er biegt von der Strasse in einen kaum sichtbaren Lehmweg ab, der mitten durchs dichte Grün führt. Kurz dahinter befindet sich tatsächlich eine kleine Siedlung und wir werden sehr freundlich aufgenommen. Am Abend unterhalten wir uns noch sehr lange mit Ronaldo und zwischen Missionierungsversuchen erzählt er uns noch wilde Geschichten von sich bekriegenden Jugendbanden, zeigt uns einen Durchschuss am Fuss und meint, dass sein Freund bei der gleichen Gelegenheit erschossen wurde.

Später zeigt er uns noch seine Tatoos: Rücken und Bauch sind komplett einem Stadtviertel in San Pedro gewidmet. Vermutlich ist er selber auch Mitglied in so einer Bande gewesen. Am nächsten Tag radeln wir mit deutlich getrübter Stimmung weiter, die Geschichten haben sich doch sehr mit unserem Bild von Mexico, mit seinen sehr hilfsbereiten und freundlichen Menschen, gebissen. Als ob das Bild doch noch mal in die positive Richtung gerückt werden sollte, passiert uns am vorletzten Tag in Mexico folgendes: Wir bekommen 2 Yoghurts, 1 Dose Limo, 1 Melonendrink, 1 Erdnusscrispie und ein paar Sandalen für Oskar geschenkt, ausserdem handelt ein Mann, mit dem wir uns auf der Strasse unterhalten hatten, spontan 20% Rabatt für uns im Hotel aus.

Am 28.5. schliesslich sind wir von Ciudad Hidalgo (mexikanische Seite) über den Grenzfluss nach Guatemala in die Stadt Tecun Uman gefahren. Die Einreise war absolut harmlos, der Grenzer hätte uns angesichts von Sophie und Oskar, glaube ich, alles abgestempelt. Da es schon 16 Uhr ist, nehmen wir uns gleich in Tecun Uman ein Zimmer. Die Grenzstadt ist nicht gerade ideal, um uns ein erstes Bild von Guatemala zu machen: Heiss, hektisch, die Leute laufen rum wie die Cowboys, mit Pistolen am Gürtel und Pickups rasen durch die Strassen, als ob es keine Fussgänger, Radlfahrer, Motorradfahrer usw. gäbe.

Im Internetcafe ein Blick auf die Internetseiten von auswärtigem Amt und US-Embassy dämpft die Laune zusätzlich. Am nächsten Tag radeln wir dann los; ausserhalb von der Grenzstadt sieht alles schon positiver aus, die Leute sind freundlich, die Sonne scheint und auf der Strasse ist soviel los, dass ein Überfall sehr unrealistisch erscheint. Es geht immer der CA2 entlang, dem Highway, der der Pazifikküste am nächsten ist.

Am zweiten Tag, bei der Frühstückspause kurz vor Retalhueleu sprechen uns Polizisten auf Motorradstreife an, dass die Strassen von Guatemala wohl doch zu gefährlich seien und organisieren uns Geleitschutz für die weitere Strecke (Ausserdem organisieren sie Interviews mit Lokalzeitung, lokalem Radio und Fernsehen, aber davon merken wir erst später was).

Die Motorradstreife fährt ab sofort immer hinter uns her, zeigt uns in Retalhueleu noch den Weg zum Hotel und wir vereinbaren einen Zeitpunkt zum Aufbrechen am nächsten Tag. Dann haben wir auch schon unseren ersten Überfall: die 4 Männer sind alle mit schweren Digitalkameras und Voicerecordern bewaffnet und wollen Fotos und ein Interview.

Der Reporter sprudelt in einer unglaublichen Geschwindigkeit seine Fragen auf Spanisch hervor, hält mir das Mikrofon hin und schaut uns erwartungsvoll an. Anja und ich haben nur Bahnhof verstanden und es dauert noch eine Weile, bis wir den Reporter auf eine für uns geeignete Geschwindigkeit runtergebremst haben.

Die Verständigungsschwierigkeiten scheinen aber nicht nur in die eine Richtung zu bestehen, am nächsten Tag lesen wir in der Zeitung, dass wir planen Guatemala und El Salvador in jeweils einem Tag zu durchqueren und Oskar schon 4 Jahre alt ist. So oder so zeigt der Artikel Wirkung: bisher waren die Leute ja eher etwas zurückhaltend, jetzt winken und schreien die Leute aus den Autos und am Strassenrand. Wenn wir stehen bleiben, sind wir sofort von einer Traube Neugieriger umringt.

Wir fahren den Küstenhighway noch zwei Tage weiter bis Patulul, dort biegen wir dann ab nach Norden Richtung Lago Atitlán. Patulul liegt schon etwas hoher auf 330m, aber das reicht schon, dass es nicht mehr so schwül ist und auch die Hitze nicht mehr so drückt. Am nächsten Tag steht die bisher schwerste Etappe an: 30 km und 1300 Höhenmeter. Leider lässt sich die Bergstrecke nicht aufteilen, weil dazwischen keine Orte mehr sind, und zum Zelten ist es auch zu gefährlich.

Wir bewaffnen uns bis an die Zähne mit Gatorade und Riegeln und starten schon um 5:30. Hinter uns die schon gewohnte Motorradstreife. Unser Reiseführer (Footprint) hatte in Bezug aufs Fahrradfahren in Guatemala recht: beautiful landscape, but steep hills. Ersteres ist richtig, zweiteres nehmen wir aber in den nächsten vier Stunden besonders intensiv wahr. Dann sind wir endlich oben in San Lucas Toliman, und mit dem Ortsschild reisst Anja noch die Kette.

Egal, schieben wir halt die restlichen Meter bis zum Ufer des angeblich schönsten Sees der Welt (Titel muss selbsverliehen sein; wir wissen natürlich, dass das nur der Königssee bzw. für alle Preuss und Beckers der Wörthsee sein kann). Lago Atitlán ist ein Kratersee von einem besonders gigantischen Vulkan aus vergangener Zeit. Er wird idyllisch eingerahmt von einigen "kleineren" Vulkanen, die trotzdem jeweils über 3000m hoch sind.

Am nächsten Tag fahren wir nach Santiago Atitlán und zelten im Garten eines Luxushotels, das wir uns so nicht hätten leisten können. Im Restaurant selbigen Hotels treffen wir dann etwas unerwartet auf unseren ersten Skorpion. Zwei Minuten vorher war Sophie dort noch auf dem Boden gekrabbelt...

Per Boot setzen wir in den Touristenort Panajachel über und legen dort noch einen Ruhetag ein.  Die Oberschenkel sind noch zu geschwollen, um uns auf den Weg nach Antigua machen. Ab hier sollen die Strassen wieder sicher sein, so dass wir ohne Eskorte unabhängig unseren eigenen Rhythmus fahren können.

 

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